Das Land braucht Leute wie diese

90 Maurer, Straßenbauer, Baugeräteführer, Tischler, Maler und Lackierer feierten nach drei Jahren Ausbildung am Technisch-gewerblichen Berufsbildungszentrum (TG BBZ) Neunkirchen ihren Abschluss

Handwerk hat goldenen Boden, weiß ein Sprichwort. Aber wen interessieren im 21. Jahrhundert noch Sprichwörter - und auch das Handwerk hat mit Imageproblemen zu kämpfen. Umso wichtiger ist es, junge Menschen, die sich trotzdem für diesen Weg entscheiden, darin zu bestärken. Weshalb es seit einigen Jahren die Abschlussfeier am Technisch-gewerblichen Berufsbildungszentrum Neunkirchen gibt. „Wir wollten die Zeugnisausgabe wertiger gestalten“, erinnert sich Oberstudienrätin Monika Hack vom Fachbereich Straßenbau, „nicht mehr so zwischen Tür und Angel abhandeln“. Am Donnerstag war es wieder so weit: 90 frisch gebackene Maurer, Straßenbauer, Baugeräteführer, Tischler, Maler und Lackierer erhielten im Rahmen einer Feierstunde mit Grillparty ihre Zeugnisse.

„Ihr habt euch in den letzten Jahren entwickelt, habt gelernt und Kompetenzen erworben, ihr seid zu Persönlichkeiten gereift - seid erwachsen geworden“, richtete Hermann Dejon, Vorsitzender der Fachkonferenz Holz, das Wort an die 86 jungen Männer und vier jungen Frauen des Abschlussjahrgangs. „Wir Lehrer durften euch bei all dem begleiten. Das war für uns eine große Verantwortung und Ehre.“

Wichtig war es Dejon zu vermitteln, dass man mit dem Erlernen eines Berufs auch eine hochwertige Bildung erwirbt. „Ihr seid keine Gymnasiasten und Abiturienten. Wir haben euch nicht geschult in Fremdsprachen, Literatur, nicht in Geschichte und nicht in höherer Mathematik. Aber ihr habt eine Bildung in eurem Beruf erworben. Ihr kennt eure Werkzeuge und Werkstoffe. Ihr beherrscht eure Maschinen“, fuhr der Pädagoge fort. „Ihr arbeitet unter allen denkbaren Witterungsbedingungen. Bei der körperlich oft harten Arbeit seid ihr stark und ausdauernd geworden. Am Bau und auf der Straße macht euch niemand etwas vor“ - was ein Abiturient kaum von sich sagen kann. „Liebe Schüler, ihr steht in unserem Ansehen ganz oben.“

Die besten jeder Fachrichtung wurden mit Sachpreisen ausgezeichnet. Bei den Malern und Lackierern hatten Tanja Schirra und Daniel Hauser mit einem Notendurchschnitt von jeweils 1,11 die Nase vorn. Erfolgreichster Tischler war Florian Kuhn (1,14). Bei den Straßenbauern erzielte Christian Schultheis (1,2) die besten Ergebnisse, bei den Baugeräteführern Leon Bormes (1,2). Bester des Jahrgangs war Julian Tuba, der seine auf ein Jahr verkürzte Maurer-Ausbildung im väterlichen Betrieb Tuba Bau Nohfelden mit einer glatten 1,0 auf dem Zeugnis abschloss. Tuba kann bereits ein Studium im Bereich der Verwaltungswissenschaften mit dem Abschluss Bachelor of Arts vorweisen. Für sein soziales Engagement erhielt außerdem Jan Zimmer einen Sonderpreis.

 

Bericht: Saarbrücker Zeitung von  Anja Kernig, 02. Juli 2016