Tag der offenen Tür 2017 am TGS BBZ NK

„Meine Kinder sind gerade in der Pause“, erklärt der bärtige Mann mit der französischen Bäckermütze. Noch ist die Lehrküche verwaist, aber gleich wird der Lehrer hier mit Schülern weiter Krapfen backen. Im Raum gegenüber warten angehende Fachverkäufer hinter einer originalen Fleischtheke auf „Kundschaft“ für ihre Schnittchen. Die Jung-Metzger produzieren Frikadellen im Akkord und im Raum A4 sezieren Fachoberschüler rosige Schweineherzen, während geschickte Hände im Stockwerk obendrüber Zöpfe flechten und Make-up auftragen. So lebensnah kann es an einem Tag der offenen Tür nur in einem Berufsbildungszentrum zugehen. Und da das Neunkircher auf zwei Standorte verteilt ist, pendelte der neue Schulleiter Bernd Hussong am Samstag zwischen dem sozialpflegerischen Bereich in der Parkstraße und dem technisch-gewerblichen im Jägermeisterpfad.

2000 junge Menschen werden aktuell am TGS BBZ unterrichtet, darunter auch Flüchtlinge, die in drei Willkommensklassen aufgenommen wurden. „Wir bieten Perspektiven“ lautete das Motto des Tages - das zugleich die Maxime der vom Landkreis getragenen Mammut-Schule widerspiegelt.

Neben Berufsschule, Berufsfachschule und Fachoberschule werden das Berufsgrundbildungsjahr (BGJ) und das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) angeboten. Schulabgänger, die keine reguläre Lehrstelle gefunden haben, können sich in diesem Jahr vor allem eines: orientieren. „Es gibt immer Jugendliche, die lieber in die Praxis gehen wollen“, erklärt Hussong. Für die sei man dank der Vielzahl an Werkstätten und Küchen der richtige Ansprechpartner. Wichtig ist dem Schulleiter, dass auch Leistungsschwächere und Schüler mit Verhaltensauffälligkeiten aufgefangen werden. „Wir haben ein neues, in Konfrontationspädagogik geschultes Team.“ Statt Schüler bei auftauchenden Problemen „einfach rauszuschmeißen“, sucht man nach Gründen für das Verhalten und Lösungen. Unterstützend werden Mediatoren ausgebildet, es gibt Nachhilfe von Schülern für Schüler.

Und dann ist da noch Nitro. Der weiße Terrier, am Jägermeisterpfad als Schulhund tätig, trägt nicht umsonst den Namen einer Verdünnung - Frauchen Birgit Hemmer unterrichtet die Maler und Lackierer. „Mit Nitro ist die Klasse ruhiger, das Arbeiten fällt leichter“, berichtet Christian Jahn, Azubi im dritten Lehrjahr. Seine Arbeit gefällt ihm: „Immer neue Kunden und neue Locations, immer wieder neue Aufgaben“ machen für den 23-Jährigen den Reiz dieses Berufes aus.

Ob Maler-, Holz- oder auch Metallwerkstatt, wo vier BGJler für den Spielplatz der Rothenberg Schule Dirmingen Bänke zusammenschweißten, überall durfte man reinschauen, anfassen, ausprobieren. Wem das zu praktisch war, konnte sich mit Treppenberechnungen, Pumpenkennlinien oder einer kniffligen Belegungsanzeige für ein Parkhaus auseinander setzen. Besonders große Resonanz hatte der von Naresh Schuler privat gebaute 3D-Drucker, mit dem kleine Schädel oder Einkaufschips in 0,1 Millimeter Schichten aufgebaut wurden.

Der Beruf des angehenden Elektrotechnikers ist zugleich sein Hobby: „Ich habe etwas gedanklich Anspruchsvolles gesucht, wo man auch mit den Händen arbeitet.“ Sein Fazit nach zweieinhalb Lehrjahren: „Perfekt. Ich habe diese Entscheidung noch keinen Tag bereut.“

 

Bericht: Von  Anja Kernig,  21. Februar 2017, Saarbrücker Zeitung